Digitale Spurensicherung: Beweise richtig sichern
Damit die Polizei bei einer Anzeige (z. B. wegen Betrugs, Hacking oder Identitätsdiebstahl) erfolgreich ermitteln kann, benötigt sie verwertbare Beweise. So sicherst du deine Daten professionell:
1. Screenshots: Mehr als nur ein Bild
Ein einfacher Screenshot reicht oft nicht aus. Achte darauf, dass folgende Details sichtbar sind:
- Der gesamte Bildschirm: Schneide nichts weg. Die Browser-Leiste (URL) und die Systemzeit (unten rechts am PC) sollten sichtbar sein.
- Vollständiger Text: Bei langen E-Mails oder Chats mache lieber mehrere Screenshots, die sich leicht überlappen.
- Profil-IDs: In sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram) sichere nicht nur den Namen, sondern auch den Link zum Profil des Täters (z. B. facebook.com/nutzername123).
2. E-Mails: Den „Header“ sichern
Die E-Mail-Adresse, die du siehst, kann gefälscht sein. Der sogenannte E-Mail-Header verrät der Polizei den echten Absender-Server:
- In Outlook/Gmail: Gehe auf „Original anzeigen“ oder „Internetkopfzeilen“.
- Speichern: Kopiere diesen Textblock in ein Textdokument oder speichere die E-Mail direkt als .eml- oder .msg-Datei ab. Leite die Mail nicht einfach nur weiter, da sich dabei die Daten verändern können.
3. Zahlungsnachweise & Belege
- Sichere Buchungsbestätigungen, Rechnungen oder Screenshots von Überweisungen.
- Notiere dir Transaktionsnummern (TAN-Referenzen) oder Wallet-Adressen bei Kryptowährungen.
4. Nichts verändern!
- Keine Selbstjustiz: Versuche nicht, das Konto des Täters zu „hacken“ oder ihn zu beschimpfen – das könnte deine Beweiskraft schwächen.
- Originale behalten: Lösche die schädlichen Nachrichten oder Mails erst, wenn die Polizei die Anzeige aufgenommen hat und du eine Bestätigung hast.
Wo erstatte ich in Österreich Anzeige?
- Persönlich: In jeder Polizeiinspektion in Österreich. Nimm die Beweise am besten auf einem USB-Stick oder ausgedruckt mit.
- Online: Über die Online-Wache des BMI (bei Internetbetrug).
- Beratung: Bei unklaren Fällen hilft die Internet Ombudsstelle kostenlos weiter.
📝 Checkliste für dein Notfall-Protokoll
Bevor du die Polizei kontaktierst, fülle kurz diese Punkte für dich aus. Das spart Zeit bei der Aufnahme der Anzeige:
- Wann ist es passiert? (Datum und möglichst genaue Uhrzeit der Entdeckung oder des Vorfalls)
- Was wurde genau gemacht? (z. B. Passwort geändert, Geld überwiesen, beleidigende Nachricht verschickt)
- Welche Konten/Dienste sind betroffen? (E-Mail-Adresse, Benutzername, Bankkonto, Plattform)
- Gibt es eine Schadenssumme? (Wie viel Euro wurden abgebucht oder gefordert?)
- Gibt es Kontakt zum Täter? (E-Mail-Adresse des Absenders, Telefonnummer, Profil-Link)
- Welche Beweise habe ich gesichert? (Screenshots, E-Mail-Header, Kontoauszug)
Kopiere dir diese Liste in eine Notiz-App oder lade dir die Liste als PDF-Dokument herunter, die du im Notfall schnell ausfüllen kannst, bevor du zur Polizei gehst. Das spart Zeit und stellt sicher, dass kein wichtiges Detail vergessen wird. Notfall-Protokoll jetzt herunterladen